medmissio unterstützt gemeinsam mit weiteren Organisationen einen offenen Brief an Bundeskanzler Friedrich Merz. Darin fordern die Unterzeichnenden eine koordinierte, ausreichend finanzierte und solidarische Antwort der G7 auf den aktuellen Ebola-Ausbruch. Die Krise zeigt erneut: Gesundheitsschutz endet nicht an nationalen Grenzen. Wer Epidemien eindämmen will, muss Gesundheitssysteme stärken, Fachkräfte schützen und Impfstoffe, Diagnostika sowie Behandlungen schnell und gerecht verfügbar machen.
An den Bundeskanzler
Friedrich Merz
Bundeskanzleramt
Willy-Brandt-Straße 1
10557 Berlin
(via Email)
Berlin, 8. Juni 2026
Betreff: Die G7 müssen entschlossen auf den Ebola-Ausbruch reagieren
Sehr geehrter Herr Bundeskanzler,
Als Organisationen, die sich für globale Gesundheit und Gesundheitsgerechtigkeit einsetzen, unterstützen wir die Forderungen der C7 Global Health Working Group, einer Engagement Group der G7 mit mehr als 300 zivilgesellschaftlichen Organisationen aus fünf Kontinenten.
In wenigen Wochen kommen die Staats- und Regierungschef*innen der G7 zu ihrem diesjährigen Gipfel zusammen. Angesichts des aktuellen Ebola-Ausbruchs bitten wir Sie, dieses Treffen zu nutzen, um eine koordinierte und dem Ausmaß der Krise angemessene internationale Antwort zu beschließen.
Innerhalb weniger Wochen nach seiner Entdeckung hat sich der Ausbruch zu einer der am schnellsten wachsenden Ebola-Epidemien der jüngeren Geschichte entwickelt. Die WHO berichtet von Dutzenden bestätigten Todesfällen sowie Hunderten weiteren Todesfällen, die derzeit untersucht werden. Die Situation erfordert entschlossenes Handeln der internationalen Gemeinschaft.
Epidemien machen nicht an nationalen Grenzen halt. Mehrere G7-Mitglieder, darunter die Vereinigten Staaten und das Vereinigte Königreich, haben bereits zusätzliche finanzielle Unterstützung für die Bekämpfung des Ausbruchs angekündigt. Die Bundesregierung sollte sich diesen Bemühungen anschließen und gemeinsam mit ihren Partnern einen substanziellen Beitrag zur internationalen Reaktion leisten.
Der aktuelle Ausbruch verdeutlicht zugleich die Notwendigkeit, stärker in Überwachung, Prävention, Vorsorge und Reaktionskapazitäten für künftige Gesundheitsnotlagen zu investieren. Anstatt neue Strukturen zu schaffen, sollten die bereits vorhandenen Netzwerke und Fachkräfte in den endemischen Ländern gezielt gestärkt werden. Mit zusätzlicher finanzieller Unterstützung können nationale Programme ihre bewährte Arbeit wirksam auf die Prävention und Bekämpfung von Krankheitsausbrüchen ausweiten.
Es gilt, die Anstrengungen der G7 zu bündeln, zusätzliche Maßnahmen zu koordinieren und ein klares Signal internationaler Verantwortung zu senden. Ebenso bedarf es einer verstärkten Förderung von Forschung und Entwicklung, um Impfstoffe, Diagnostika, Therapeutika und weitere Präventionsinstrumente schneller verfügbar zu machen. Der Schutz von Gesundheitsfachkräften, die unter schwierigen Bedingungen Erkrankte versorgen und zur Eindämmung des Ausbruchs beitragen, muss dabei oberste Priorität haben.
Gleichzeitig haben die jüngsten Kürzungen internationaler Gesundheits- und Entwicklungsbudgets die Fähigkeit vieler Länder geschwächt, auf Gesundheitskrisen wirksam zu reagieren. Um widerstandsfähige Gesundheitssysteme aufzubauen, müssen Entwicklungszusammenarbeit und Investitionen in essenzielle Gesundheitsdienste gestärkt werden. Nur so kann sichergestellt werden, dass wirksame Impfstoffe, Diagnostika und Behandlungen allen Menschen, die sie benötigen, rasch zur Verfügung stehen und das Menschenrecht auf Gesundheit umgesetzt wird.
Ohne eine koordinierte und angemessen finanzierte Reaktion droht sich die Ebola-Bundibugyo-Epidemie weiter auszubreiten. Dies würde zusätzliche Menschenleben kosten, Gesundheitssysteme überlasten, wirtschaftliche und gesellschaftliche Stabilität gefährden und die globale Gesundheitssicherheit schwächen.
Wir appellieren daher an die G7-Staaten, im Rahmen des bevorstehenden Gipfels eine gemeinsame und ambitionierte Antwort auf diese Krise zu vereinbaren und die notwendigen finanziellen und politischen Zusagen für ihre Umsetzung bereitzustellen.
Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag der unterzeichnenden Organisationen
action medeor e.V.
Aktionsbündnis gegen AIDS
BUKO Pharma-Kampagne
Die Sternsinger Kindermissionswerk
Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW)
Deutsches Netzwerk gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten (DNTDs) e.V.
Difäm – Deutsches Institut für Ärztliche Mission e.V.
German Doctors e.V.
HelpAge Deutschland e.V.
medmissio – Institut für Gesundheit weltweit
Save the Children
Kontaktadresse: wiessner@aktionsbuendnis-aids.de